Bei zweiter Corona-Welle: OECD liefert düstere Prognose für Deutschland

Bei zweiter Corona-Welle: OECD liefert düstere Prognose für Deutschland
Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Die Industriestaaten-Organisation OECD traut der deutschen Wirtschaft im Falle einer zweiten Corona-Welle keine starke Erholung zu.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde dann 2021 nur um 1,7 Prozent wachsen und nur einen geringen Teil des in diesem Jahr erwarteten Einbruchs von 8,8 Prozent wettmachen, heißt es in der am Mittwoch veröffentlichten Prognose. “Eine zweite Welle würde die Vorteile einer frühen und gut organisierten Lockerung untergraben.” Ganz anders sieht das Bild aus, sollte ein Rückschlag mit neuen Eindämmungsmaßnahmen ausbleiben. Dann rechnet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in diesem Jahr mit einem Minus von 6,6 Prozent, dem 2021 ein Wachstum von 5,8 Prozent folgen soll.

“Eine zweite Welle würde die Vorteile einer frühen und gut organisierten Lockerung untergraben”, warnte die OECD. “Eine erhöhte Unsicherheit würde ein stärkeres Vorsorgesparen der Verbraucher fördern und die Investitionen im In- und Ausland belasten, was sich nachteilig auf Deutschlands Investitionsgüterexporte auswirken dürfte.”

Gut durch Krise kommen

Verglichen mit anderen Ländern wird Deutschland wohl gut durch die Krise kommen. Die Wirtschaft in der Euro-Zone insgesamt dürfte 2020 zwischen 9,1 und 11,5 Prozent schrumpfen. Dem dürfte sich im kommenden Jahr ein Wachstum von 3,5 bis 6,5 Prozent anschließen. Frankreichs Wirtschaft – die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion – würde demnach um bis zu 14,1 Prozent schrumpfen und 2021 bestenfalls um 7,7 Prozent wachsen. In den USA könnte das Bruttoinlandsprodukt der Prognose zufolge um bis zu 8,4 Prozent einbrechen und 2021 um maximal 4,1 Prozent zulegen. Alle BIP-Prognosen sind bereinigt um die Zahl unterschiedlicher Arbeitstage.

Die OECD mahnte die Industrieländer zur Kooperation. “Nur mit mehr Vertrauen wird die Erholung Fahrt aufnehmen – und Voraussetzung für dieses Mehr an Vertrauen ist globale Zusammenarbeit”, sagte Chefvolkswirtin Laurence Boone. Die Staatengemeinschaft müsse sicherstellen, dass ein Impfstoff oder ein Medikament – sobald verfügbar – rasch weltweit eingesetzt werden könnten. Auch die Beilegung von Handelskonflikten würde helfen, das Vertrauen der Unternehmen und die Investitionsbereitschaft zu steigern. Zudem müssten die Staaten die Chance nutzen, fairere und nachhaltigere Wirtschaftsstrukturen zu schaffen. “Dabei gilt es, Wettbewerb und Regulierung intelligenter zu gestalten und die Steuersysteme, die öffentlichen Ausgaben und den Sozialschutz zu modernisieren”, sagte Boone.

(Reuters)


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