Coronavirus: Regierungen lehnten im Jänner EU-Hilfe ab

Coronavirus: Regierungen lehnten im Jänner EU-Hilfe ab
Quelle: S. Hermann & F. Richter 7 Pixabay.de

Bereits Ende Jänner soll die EU den Mitgliedsstaaten ihre Hilfe bei der Beschaffung von Beatmungsgeräten und Masken angeboten haben.

Wie aus Sitzungsprotokollen hervorgeht, hat die EU-Kommission bereits Ende Jänner den EU-Staaten Hilfe angeboten, um Schutzmasken, Testkits und Beatmungsgeräte zu beschaffen. Regierungsvertreter der Gesundheitsminister sollen dies allerdings bei Sitzungen in Brüssel explizit abgelehnt haben. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

“Bisher hat noch kein Land um Unterstützung gebeten, um zusätzliche Gegenmaßnahmen zu erhalten”, so das Protokoll. Vier nicht genannte Staaten warnten davor, dass sie möglicherweise Schutzausrüstung benötigten, falls sich die Situation in Europa verschlechtern sollte.

Großer Mangel an medizinischer Ausrüstung

Nur wenige Wochen später bestand in den europäischen Ländern aufgrund der Corona-Krise ein großer Mangel an medizinischer Ausrüstung. Die EU schätzte den Bedarf in den Staaten auf das Zehnfache des Normalbedarfs. Wie Reuters berichtet, hätten die Regierungen der EU-Staaten ihre Notlage möglicherweise noch verschlimmert, indem sie ihre Ausstattung überschätzt hätten. Trotzdem sei der Mangel an Ausrüstung auch auf die explodierende weltweiter Nachfrage zurückzuführen.

China reagierte, als das Virus ausbrach, schnell. Zwei Wochen wurden fast 60 Millionen Menschen isoliert. Ein Beamter der EU meinte hingegen bei einem Treffen am 5. Februar mit Diplomaten aus den Mitgliedsstaten unter Ausschluss der Öffentlichkeit: “Die Dinge sind unter Kontrolle.”

Erst im März erkannte man den Ernst der Lage

Es hieß weiter: “Die Mitgliedsstaaten sind gut vorbereitet, die meisten haben Maßnahmen ergriffen.” Das war nur zwei Wochen vor den ersten Coronavirus-Toten in Italien. Erst im März begannen die EU-Regierungen, den Ernst der Lage zu erkennen. Viele schlossen jedoch zunächst die Grenzen, was den Export von medizinischer Ausrüstung in Nachbarländer behinderte, anstatt dass sie sich – wie später von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kritisiert – auf das Gemeinsame konzentrieren.


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