Darum ist Italien so schlimm vom Coronavirus betroffen

Die Italiener selbst sagen von ihrem Land, es sei das „Epizentrum der Coronavirus-Pandemie„. Aber ist das die richtige Wahrnehmung oder werden Katastrophen unterschiedlicher Genres miteinander vermischt?

  • Die Gründe sind in Demografie, der Luftverschmutzung und Einsparungen im Gesundheitssystem des Landes zu suchen.
  • Offiziell sind mehr als 41.000 Menschen infiziert – Experten gehen von weitaus mehr aus.
  • Mit 3405 Todesopfern hat Italien am Donnerstag China als das Land mit den meisten Opfern des Coronavirus abgelöst.

„Das Istituto Superiore di Sanità“, Italiens oberstes Gesundheitsinstitut, hat nun eine Studie vorgelegt, in der es alle klinischen Daten der Opfer analysiert hat.

Folgende Erkenntnisse und Mittelwerte kamen heraus:

  • Die deutlich am stärksten betroffene Altersgruppe sind die 80- bis 89-Jährigen.
  • Drei Personen ( 0,8 Prozent) starben offenbar ausschließlich „am“ Coronavirus – „ohne wenn und aber“, wie die Italiener sagen. Alle anderen litten an mindestens einer schweren Vorerkrankung. Die Hälfte hatte drei oder mehr Krankheiten, die häufigsten waren: Bluthochdruck, Diabetes, Krebs, Herz- und Atembeschwerden.“
  • Das durchschnittliche Alter der Verstorbenen liegt bei 79,5 Jahren.
  • Nur fünf Menschen waren unter 40 Jahre, alle waren krank, ehe sie sich mit dem Virus infizierten.
  • 70 Prozent der Opfer sind Männer.

Diese leiden hatten die Patienten

Das Gesundheitsinstitut führt auch auf, mit welchen Leiden die Menschen eingeliefert wurden. 77 Prozent hatten hohes Fieber, 74 Prozent litten an Dyspnoe, also Atemnot, und 42 Prozent klagten vor allem über Husten.

Auch über die durchschnittliche Verlaufszeit der Krankheit in den tödlichen Fällen lässt sich mittlerweile etwas sagen: Vom Augenblick der ersten Symptome und dem positiven Test bis zur Verlegung ins Krankenhaus vergehen normalerweise rund vier Tage, bis zum Tod auf der Intensivstation noch einmal vier.

Ist die Sterblichkeitsrate zu hoch?

Viele Diskussionen ranken sich auch um die angeblich hohe Sterblichkeitsrate in Italien. Die Zahl der bekannten Virusträger liegt bisher bei etwa 41.000, die Zahl der Todesfälle bei 3405. Das entspricht einer Rate von dramatischen 8,3 Prozent. Doch ist diese Rate tatsächlich realistisch?

Experten gehen davon aus, dass in Italien sehr viel mehr Menschen mit dem Virus infiziert sind, als die offizielle Statistik ausweist.

Vier Gründe, warum es Italien besonders hart trifft

  1. Italiens Bevölkerung gehört zu den betagtesten der Welt, das Durchschnittsalter liegt bei 46,3 Jahren. 21 Millionen Italiener sind über 65 Jahre alt.

  2. Das Epizentrum der Ausbreitung umfasst die Lombardei, Venetien und die Emilia-Romagna. Nirgendwo in Europa ist die Luftverschmutzung größer. Viele ältere Bewohner leiden an Atemwegsbeschwerden. Und die Bevölkerungsdichte ist sehr hoch. 40 Prozent aller Italiener leben in diesen drei Regionen.

    Besonders betroffen sind die Städte Lodi, Brescia und Bergamo. Vor allem Brescia und Bergamo kämpfen mit schwindenden Kräften gegen die Katastrophe. Nur Mailand und die Provinz blieben bisher relativ verschont. Das sollte auch so bleiben, denn hier leben die Menschen Tür an Tür.

  3. Italien ist durchaus zurecht stolz auf sein für alle öffentlich zugängliches Gesundheitssystem. Dieses wurde jedoch zuletzt aufgrund von Wirtschafts- und Finanzkrise zusammengespart. Der hoch verschuldete Staat hat die Forschungszuschüsse in den letzten Jahren stark gekürzt. In Zahlen: 21%.

  4. Italien war das erste Land, das Flüge aus und nach China verbot. Durchdacht war die Aktion allerdings nicht ganz, denn die Menschen reisten über andere Metropolen aus China nach Italien ein. Das wurde wiederum nicht kontrolliert.