Nach dem tödlichen Einsatz von illegal importierten und selbstgebauten „Feuerwerksbomben“ an Silvester fordern deutsche Behörden schärfere Maßnahmen. Mindestens fünf Menschen starben deutschlandweit durch pyrotechnische Unfälle, viele weitere wurden verletzt, darunter auch Kinder.
Gefährliche Kugelbomben aus Osteuropa
Die in Deutschland eigentlich nur für professionelle Feuerwerksshows zugelassenen Kugelbomben wurden illegal aus Polen und Tschechien importiert. Teilweise kombinierten sie die Käufer mit Haushaltsgegenständen wie Spraydosen und Kunststoffrohren, um eine stärkere Explosion zu erzielen.
In Berlin wurden laut Polizei und Krankenhausberichten 17 Menschen durch diese kugelförmigen Sprengsätze verletzt, fünf davon schwer. Betroffen waren vor allem Hände, Gesichter und Augen, während andere Opfer wegen Verbrennungen und Hörschäden behandelt werden mussten.
Ein Sprecher des Unfallkrankenhauses Berlin (UKB) beschrieb die Schwere der Verletzungen als „ungewöhnlich“ im Vergleich zu den Vorjahren.
Schäden wie auf einem Schlachtfeld
Ein Vorfall im Berliner Stadtteil Schöneberg führte dazu, dass eine Kugelbombe mehrere Gebäude schwer beschädigte. 36 Wohnungen sind derzeit unbewohnbar, zwei Menschen mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Ein Feuerwehrsprecher verglich die Zerstörung mit einem „Schlachtfeld“.
Ein weiteres Unglück ereignete sich im Bezirk Tegel, wo acht Personen – darunter ein Junge – verletzt wurden. Zwei Opfer befinden sich in kritischem Zustand.
Rufe nach strengeren Gesetzen
Stephan Weh, Regionalleiter der GdP-Polizeigewerkschaft in Berlin, forderte ein härteres Vorgehen gegen illegale Pyrotechnikimporte und ein generelles Verbot privater Feuerwerke. „Feuerwerkskörper gehören in die Hände von Profis“, betonte Weh.
Auch Burkard Dregger, innenpolitischer Sprecher der CDU, plädierte für intensivere Grenzkontrollen sowie Gespräche mit Polen und Tschechien, um den Import illegaler Kugelbomben zu verhindern.
Die Grünen fordern unterdessen ein vollständiges Verbot des Verkaufs von Privatfeuerwerk. Vasili Franco, innenpolitischer Sprecher der Partei, kritisierte: „Die Frage ist, warum wir als Gesellschaft bereit sind, eine Nacht voller Feuerwerkskörper mit unermesslichen Kollateralschäden für Menschen, Tiere und Umwelt zu akzeptieren.“
Vergleich mit den Nachbarländern
Auch in den Niederlanden kam es zu tragischen Unfällen. Ein 14-jähriger Junge starb in Rotterdam beim Versuch, einen „Cobra“-Böller erneut zu entzünden. In Tiel erlag ein 46-jähriger Mann seinen Verletzungen. Trotz eines teilweisen Feuerwerksverbots in 19 Städten, darunter Amsterdam und Rotterdam, gab es zahlreiche Verletzte.
In Frankreich wurden derweil 984 Autos angezündet und 420 Personen verhaftet. Innenminister Bruno Retailleau sprach von „endloser Gewalt“ und kritisierte die Angriffe als „sinnlose Zerstörungswut“.
Die Debatte um ein generelles Feuerwerksverbot in Deutschland gewinnt an Dynamik. Während Gegner auf Traditionen und wirtschaftliche Auswirkungen hinweisen, scheinen die jüngsten Ereignisse die Forderungen nach mehr Sicherheit und Umweltschutz zu stärken. Ob es zu konkreten gesetzlichen Änderungen kommt, bleibt abzuwarten.







