Fragen und Antworten zur deutschen Wasserstoff-Strategie

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Nach langem Ringen hat sich die Regierung nach dem Koalitionsgipfel auf eine Strategie zum Aufbau einer Wasserstoffindustrie verständigt.

Am Mittwoch beschloss das Kabinett das Förder-Konzept mit neun Milliarden Euro. Antworten zu den wichtigsten Punkten im Überblick:

Warum Wasserstoff?

Deutschland setzt wegen des Klimaschutzes vor allem auf grünen Strom aus Wind und Sonne. Dieser lässt sich beispielsweise in Autos bereits vergleichsweise effektiv einsetzen. Weit schwieriger ist dies in der Industrie: Brennstoffe wie Öl, Koks oder Gas sollen daher in der Stahl-, Chemie- oder Zementproduktion durch Wasserstoff ersetzt werden. Ähnliches gilt für den Schiffs-, Flug- und Schwerlastverkehr, der nur schwer elektrisch betrieben werden kann.

Welches Ziel hat die Regierung?

Bisher beschränkt sich die geringe Wasserstoffproduktion auf eine wenig klimafreundlich Erzeugung mit Erdgas. Jetzt soll ohne CO2-Ausstoß vor allem mit grünem Strom eine industrielle Elektrolyse-Kapazität von fünf Gigawatt bis 2030 aufgebaut werden. Auch damit wird wohl nicht einmal 20 Prozent des Bedarfs gedeckt werden können. Bis 2035, aber spätestens 2040 sollen es 10 Gigawatt sein. Große Mengen müssen also importiert werden, weshalb man Projekte im europäischen Ausland oder auch in Afrika mit zwei Milliarden Euro fördern will.

Wie soll Produktion gefördert werden?

Gerade grüner Wasserstoff ist deutlich teurer als fossile Brennstoffe. Daher plant oder prüft die Regierung eine ganze Reihe Instrumente, um die Produktion in Schwung zu bringen: So soll die Umlage zur Ökostrom-Förderung auf den eingesetzten Strom entfallen. Auch Ausschreibungsmodelle werden geprüft. Dabei kommen solche Produzenten zum Zuge, die die geringsten Subventionen verlangen. Dazu kommen Investitionszuschüsse. Um auf der anderen Seite auch die Nachfrage anzuheizen, will man sich höhere Ziele als die EU beim Einsatz von Wasserstoff und anderen erneuerbaren Quellen in den Kraftstoffen setzen. Eine Quote von mindestens zwei Prozent Beimischung im Flugbenzin bis 2030 „erscheint grundsätzlich sinnvoll“, heißt es im Konzept. Eine Nachfragequote für mit Wasserstoff erzeugten grünen Stahl soll auch auf EU-Ebene geprüft werden.

Als Pilotprojekte werden sogenannte „Carbon Contracts of Difference (CDF)“ vergeben. Diese Zertifikate sollen höhere Kosten beim Einsatz von Wasserstoff vor allem in der Chemie- oder Stahlindustrie teilweise ausgleichen. Abgezogen werden dabei die Kosten für die Rechte zum CO2-Ausstoß, die die Betriebe sonst hätten kaufen müssen.

Wo liegen die Probleme im Konzept?

Zwischen den Ministerien waren über Monate mehrere Kernfragen strittig, die mit Kompromissen gelöst wurden: So soll zwar in Deutschland nur grüner Wasserstoff gefördert werden. Bei Importen könne aber auch CO2-neutraler Wasserstoff genutzt werden. Das heißt, wenn das etwa durch den Einsatz von Erdgas frei gewordene CO2 unterirdisch gespeichert wird. Vonseiten der SPD und des Finanzministeriums wurde zudem eine höhere Elektrolyse-Leistung als Ziel gefordert. Dagegen wurde argumentiert, dass erneuerbarer Strom in Deutschland knapp ist und besser zunächst für direkten Einsatz etwa in Autos genutzt werden solle.

Das Umweltressort wollte zudem, dass Wasserstoff in erster Linie für Industrie sowie Schwer- und Luftverkehr reserviert wird. Im Konzept heißt es jetzt auf Dringen von Wirtschafts- und Verkehrsministerium: „Auch in bestimmten Bereichen bei Pkws kann der Einsatz von Wasserstoff eine Alternative sein.“

(Reuters)