Nordkorea: Diktator schwebt offenbar in Lebensgefahr

Nordkorea: Diktator schwebt offenbar in Lebensgefahr
Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Nach Berichten über eine Operation wegen Herzkreislaufproblemen kochen Spekulationen über den Gesundheitszustand von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hoch.

Der Nachrichtensender CNN zitierte einen US-Regierungsvertreter, wonach Washington Geheimdienstinformationen verfolge, denen zufolge Kim nach einer Operation in großer Gefahr schwebe. Die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete unter Berufung auf einen US-Beamten, im Weißen Haus sei man darüber unterrichtet worden, dass sich Kims Zustand nach dem Eingriff verschlechtert habe. Zwei südkoreanische Regierungsvertreter wiesen den CNN-Bericht jedoch zurück. Ein Vertreter der für Nordkorea zuständigen Abteilung innerhalb Chinas regierender Kommunistischer Partei sagte zu Reuters, nach seinen Informationen sei nicht davon auszugehen, dass Kim ernsthaft krank sei. China ist der wichtigste Unterstützer des international weitgehend isolierten Staats, der wiederholt Atomwaffen getestet hat.

Fragezeichen wegen Kims Gesundheitszustand tauchten bereits vergangene Woche auf, nachdem der vermutlich 36-Jährige am 15. April nicht an einer traditionellen Veranstaltung anlässlich des Geburtstages seines 1994 verstorbenen Großvaters, Nordkoreas Staatsgründer Kim Il Sung, teilgenommen hatte. Am Montagabend berichtete die von Seoul aus betriebene und auf Nordkorea spezialisierte Website Daily NK, Kim sei am 12. April in ein Krankenhaus eingewiesen worden. Sein Gesundheitszustand habe sich seit August verschlechtert. Starkes Rauchen und Übergewicht hätten ihm zugesetzt, außerdem sei er überarbeitet. Wenige Stunden nach seiner Einweisung habe er sich einer Herz-Kreislauf-Behandlung unterzogen. Derzeit werde er in einer Villa im Myohyang-Gebirgsresort nördlich der Hauptstadt Pjöngjiang behandelt.

Nachfolge nicht geregelt

Kim führt Nordkorea seit dem Tod seines Vaters Ende 2011 mit eiserner Faust. Wer ihm im Fall der Fälle nachfolgen könnte, ist nicht klar. Sollte Nordkorea in Instabilität abgleiten, wäre das mit erheblichen internationalen Konsequenzen verbunden.

Chinas Außenamtssprecher Geng Shuang sagte, Peking habe die Medienberichte zur Kenntnis genommen, wisse aber nicht, auf welchen Quellen sie basierten. Auf die Frage, ob er über genauere Informationen zur Lage verfüge, sagte er nichts. Auch Japans Regierungssprecher Yoshihide Suga lehnte eine gezielte Stellungnahme ab. Das südkoreanische Präsidialamt erklärte, es lägen keine Hinweise vor, die auf ungewöhnliche Vorgänge im Nachbarstaat deuten würden. Ein anerkannter Korea-Experte, der anonym bleiben wollte, bezweifelte die Darstellung in dem CNN-Bericht. Ein Durchsickern solcher als streng geheim gehandhabten Informationen sei unwahrscheinlich.

(Reuters)


Share This