Österreich: Hotelbesitzer lassen “Nazi-Opa”-Verfahren gegen Gast fallen

Österreich: Hotelbesitzer lassen “Nazi-Opa”-Verfahren gegen Gast fallen
Bild von Edward Lich auf Pixabay

Mann hatte nach einem Besuch im Hotel Ferienhof in Gerlos eine kritische Online-Bewertung abgegeben.

Die Besitzer eines österreichischen Vier-Sterne-Hotels, die einen ihrer Besucher wegen seiner Online-Kritik am Porträt eines „Nazi-Opas“ in der Lobby vor Gericht brachten, haben den Fall fallen lassen.

Der Gast hatte Beweise dafür gefunden, dass der Mann auf dem Bild ein Mitglied der NSDAP gewesen war.

Kritik über TripAdvisor und Booking.com

Der deutsche Gast, in Gerichtsakten als Thomas K bezeichnet, hatte etwa eine Woche nach seinem Besuch im Ferienhof Gerlos in den Tiroler Alpen im August 2018 auf Booking.com und TripAdvisor negative Kritiken veröffentlicht.

Nach dem Einchecken bemerkten K und seine Frau zwei gerahmte Bilder an einer Wand neben dem Hoteleingang, die über einem Blumenarrangement hingen. Eines zeigte einen jungen Mann in Uniform mit Adler- und Hakenkreuzabzeichen, das andere einen älteren Mann.

In seiner Online-Rezension sagte K, er sei angewidert gewesen, einen Nationalsozialisten im Hotel öffentlich verehrt zu sehen, wobei er den Satz „Am Eingang zeigt man ein Bild eines Nazi-Opas“ verwendete.

“Nazi-Opa” als Verleumdung

Die Eigentümer des Hotels verklagten K vor Gericht mit der Begründung, die Beschreibung „Nazi-Opa“ sei verleumderisch und diffamierend.

Als K jedoch im Mai dieses Jahres die Identität der beiden Männer in den Fotografien des Deutschen Nationalarchivs in Berlin untersuchte, fand er Beweise dafür, dass beide Männer tatsächlich 1941 bzw. 1943 der NSDAP beigetreten waren.

Verfahren eingestellt

Das Gericht in Innsbruck gab schließlich das Verfahren auf. Die Parteimitgliedschaft der beiden Männer und das deutlich sichtbare Hakenkreuz seien ein ausreichender Beweis für die Beschwerde des Gastes, das Hotel habe “ein ehemaliges Familienmitglied der Nazis unkritisch verehrt”.

Die Eigentümer des Hotels, die angeben, die Parteimitgliedschaft ihrer Verwandten nicht zu kennen, müssen wahrscheinlich die Anwaltskosten ihrer ehemaligen Gäste in Höhe von etwa 10.000€ bezahlen.


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