So wurde Ischgl zur Corona-Brutstätte Europas

So wurde Ischgl zur Corona-Brutstätte Europas
Quelle: pixabay.com

Österreichs Behörden reagierten viel zu spät. Die Gier hat schlussendlich gesiegt und deshalb wurde das Apres-Ski-Mekka Ischgl zur Brutstätte des Coronavirus.

Am 29. Februar landete in Island eine Boeing 757. Der Flieger von “Iceland Air” kam aus München. Die isländischen Behörden testeten mehrere Fluggäste positiv auf Coronaviren – einige von ihnen kamen aus Ischgl. Island hat reagiert und nahm Ischgl in eine Liste jener Orte auf, die ein Risikogebiet sind. Wie der Iran und das chinesische Wuhan.

Von Ischgl ging es aus

In Österreich selbst machte man sich relativ wenige Sorgen. Der Skibetrieb wurde fortgesetzt. In zahlreichen Ländern wurden unterdessen Ischgl-Urlauber positiv auf das Coronavirus getestet, in Dänemark sollen es weit über 100 sein. In Norwegen wurde das Virus ebenfalls bei Ischgl-Urlaubern getestet.

Auch in Deutschland finden sich bis jetzt zahlreiche Covid-19-Krankheitsfälle, die ihren Ursprung offenbar in Ischgl nahmen. In Hamburg etwa sollen es mittlerweile mehr als 80 Fälle sein. Zählt man die Sekundärinfektionen hinzu, geht die Zahl inzwischen in die Hunderte. Es deutet vieles daraufhin, dass Ischgl zur heimlichen Corona-Brutstätte in Europa wurde – und die Quarantäne-Maßnahmen in Ischgl viel zu spät kamen.

“Apres-Ski als Virenschleuder”

In Tirol selbst handelte man viel zu spät, obwohl Notärzte davor warnten und eine Katastrophe vorhersahen. “Apres-Ski ist eine Virenschleuder”, sagte etwa der Tiroler Virologe Robert Zangerle im Standard

Viele Menschen stünden auf sehr engem Raum zusammen, mit dem Alkoholpegel verringere sich auch die Distanz. Zudem, kritisierte der Virologe, fassen die meisten Bars nicht einmal 100 Leute und seien daher zunächst nicht unter die Verbote gefallen, die von den Behörden empfohlen wurden.

Die Tiroler Landesregierung ignorierte all diese Warnungen offenbar. “Die Gier hat die Verantwortung für die Gesundheit der Bürger und Gäste besiegt”, heißt es. Man habe diese letzte “starke Touristenwoche” noch “mitnehmen” wollen, auf dass die Kassen der Liftbetreiber und Hoteliers klingeln.


Share This