Strategiewechsel: Wann lockert Deutschland die Corona-Bestimmungen?

Strategiewechsel: Wann lockert Deutschland die Corona-Bestimmungen?
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In Deutschland dreht sich derzeit alles um die Frage: Wann wird die Politik die Beschränkungen rund um das Coronavirus wieder lockern?

Das lange Osterwochenende und das erwartete gute Wetter stürzen die Politik in ein Dilemma: Führende Politiker mahnten die Bürger am Dienstag einerseits eindringlich, in den kommenden Tagen die bestehenden Auflagen in der Corona-Krise einzuhalten. “Geduld rettet Leben”, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in München. Auch Nordrhein-Westfalens Regierungschef Armin Laschet appellierte, nicht nachzulassen. Andererseits forcierten beide Länderchefs nach dem österreichischen Vorpreschen die Debatte über eine schrittweise Lockerung der bis zum 19. April beschlossenen Einschränkungen des öffentlichen Lebens.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Dienstag 99.225 bestätigte Infektionsfälle, das ist ein Anstieg binnen 24 Stunden um 3834. Am Tag zuvor hatte das RKI noch 3677 Neuinfektionen mitgeteilt. Die Zahl der verstorbenen Patienten stieg um 173 auf nun 1607. Am Montag lag der Anstieg hier noch bei 92 Todesfällen binnen 24 Stunden. Die Johns-Hopkins-Universität, die eine andere Zählweise der Fälle nutzt, verzeichnete am Nachmittag 103.717 Infektionsfälle und 1810 Corona-Tote in Deutschland. 36.081 Menschen sind danach wieder genesen. RKI-Präsident Lothar Wieler wies darauf hin, dass man wieder von einer steigenden durchschnittlichen Zahl an Infektionen durch einen Erkrankten ausgehen müsse.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn warnte davor, die in den vergangenen Tagen insgesamt sinkenden Zahlen an Neuinfektionen als Zeichen der Entspannung zu werten. “Wir dürfen uns nicht in falscher Sicherheit wiegen”, sagte Spahn nach einer gemeinsamen Sitzung mit der baden-württembergischen Landesregierung in Stuttgart. “Die Lage ist nach wie vor ernst.” Die im Interessenverband ALM organisierten medizinischen Labore in Deutschland haben seit Anfang März nach eigenen Angaben rund 1,25 Millionen Corona-Tests durchgeführt.

Debatte um Exit-Strategien

Bereits am Montag hatte Kanzlerin Angela Merkel klar gemacht, dass die Ausgangsbeschränkungen bis zum 19. April gelten werden. Die Regierung will mit den Ministerpräsidenten am Dienstag nach Ostern beraten, wie es danach weiter geht. Dies betrifft sowohl die Schulen als auch die Geschäfte. Nachdem Österreichs Regierung am Montag eine schrittweise Rückkehr ins normale Leben ab dem 14. April in Aussicht gestellt hat, gerät nun Bayern als Nachbarregion unter Zugzwang. Ministerpräsident Söder sprach sich für eine schrittweise Lockerung der öffentlichen Einschränkungen unter strengen Auflagen aus. “Natürlich wird es am Ende eine Maskenverpflichtung geben”, sagte der CSU-Chef. Das sei höchstwahrscheinlich. Gefragt seien Geduld und Behutsamkeit. Er deutete an, dass zunächst kleine Läden öffnen könnten. Insgesamt rechne er aber mit Einschränkungen bis in den Juni.

NRW-Ministerpräsident Laschet forderte: “Wir brauchen einen Fahrplan in eine wachsame Normalität.” Nötig seien flexible Antworten. Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther rechnet mit einer schrittweisen Lockerung der Einschränkungen nach Ostern. “Wir beginnen also demnächst eine Phase, wo wir aller Voraussicht nach gewisse gesellschaftliche Dinge wieder ermöglichen”, sagte der CDU-Politiker der Wochenzeitung “Die Zeit”. Er deutete die Öffnung von Restaurants an. Der deutsche Ethikrat pocht ebenfalls auf eine Debatte über “Öffnungsperspektiven”. “Es ist derzeit noch zu früh für Lockerungen, aber nie zu früh für eine Debatte über Lockerungen”, sagte der Vorsitzende des Ethikrates, Peter Dabrock, in Berlin.

WHO warnt

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte dagegen vor einer zu frühen Aufhebung der Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Anderenfalls könne es zu einem erneuten Anstieg der Infektionszahlen kommen, sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier.

In anderen europäischen Ländern war die Entwicklung am Dienstag nicht einheitlich: Die Niederlande meldeten langsamer steigende Zahlen an Neuinfektionen und Toten, in Spanien stieg die Zahl der bestätigten Infektionen zwar nur auf 140.510 von 135.032. Erstmals seit fünf Tagen seien aber wieder mehr Menschen binnen 24 Stunden infolge einer Coronavirus-Infektion gestorben, teilte das Gesundheitsministerium mit. Insgesamt sind in Spanien 13.798 Menschen gestorben.

Das Virus breitet sich weltweit weiter aus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte dabei am Dienstag vor einer besorgniserregende Zunahme der Coronavirus-Fallzahlen in der Golfregion.

(Reuters)


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