Türkei: Gesetz zur Verheiratung minderjähriger Missbrauchsopfer geplant

Türkei: Gesetz zur Verheiratung minderjähriger Missbrauchsopfer geplant
Photo by _Mxsh_ on Unsplash

In den nächsten Tagen wird im türkischen Parlament ein Gesetz diskutiert, nach dem Vergewaltiger ihrer Strafe entgehen könnten, wenn sie ihr minderjähriges Opfer heiraten.

Als “Heirate-deinen-Vergewaltiger“-Gesetz wird diese Initiative von Frauenrechtorganisationen genannt. Demnach sollen Männer, die sexuellen Kontakt mit Frauen unter 18 Jahren hatten, einer gerichtlichen Strafe dadurch entgehen können, indem sie ihr Opfer heiraten. Eine Idee, die nicht nur in der Türkei selbst auf massiven Widerstand stößt. Auch in anderen Ländern wird diese Gesetzesvorschlag als Rückschritt in finstere Zeiten betrachtet. Zwar könnte die Strafvermeidung durch die Heirat prinzipiell nicht möglich sein, wenn der sexuelle Kontakt durch Gewalt oder Drohungen zustande kam, doch Experten fürchten, dass die Auslegung oft im Sinne der beschuldigten Männer sein könnte. In etlichen anderen Ländern, darunter in Ägypten, wurden ähnliche Gesetze schon vor Jahren wieder aufgehoben.

Gravierende Auswirkungen

Nach Ansicht von Experten könnte das Gesetz gravierende Auswirkungen haben. Der sexuelle Missbrauch – vor allem jener von jungen Mädchen – würde zu weit weniger direkten Verurteilungen führen. Männer könnten einer Verurteilung entgehen, indem sie ihr Opfer zu einer Heirat “überreden”; mit welchen Mitteln auch immer.

Schon 2016 hatte es einen ähnlichen Antrag gegeben, der aber nach massiven Widerständen in der Türkei und auch wegen der Proteste in anderen Ländern abgelehnt worden war. In der Türkei ist das offizielle Alter, ab dem Sex in beiderseitigem Einverständnis erfolgen darf, 18 Jahre. Dennoch gibt es Schätzungen zufolge mindestens eine halbe Millionen Frauen, die in den vergangenen 10 Jahren schon in einem früheren Alter verheiratet wurden.


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