Über 1000 Fälle: Deutsche Regierung über Corona-Ausbruch in Fabrik besorgt

Über 1000 Fälle: Deutsche Regierung über Corona-Ausbruch in Fabrik besorgt
Bild von FelixMittermeier auf Pixabay

Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies im Kreis Gütersloh steigt der Druck auf den Konzern – Finanzminister sieht “schlimme Botschaft”.

Die Bundesregierung zeigte sich am Montag besorgt über die Welle der Infizierungen in dem Schlachtbetrieb. Es handele sich um einen massiven Ausbruch, der ernst genommen und genau beobachtet werde, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Finanzminister Olaf Scholz sprach von “einer schlimmen Botschaft”. Arbeitsminister Hubertus Heil sagte in der ARD, er “erwarte von diesem Unternehmen, dass alles getan wird, um den Schaden zu begrenzen”. Zivilrechtliche Haftungsmöglichkeiten müssten geprüft werden. Der Gewerkschaft NGG zufolge könnten Arbeiter aus dem Fleischbetrieb mir rund 7000 Beschäftigten in ihre Heimatländer abgereist sein.

Die gesamte Fleisch-Branche steht seit längerem wegen der Arbeitsbedingungen in der Kritik. Bei Tönnies im Kreis Gütersloh gibt es mehr als 1300 mit dem Coronavirus infizierte Personen. Die NRW-Landesregierung kündigte weitere Maßnahmen im Kreis Gütersloh an. Die Situation sei dynamisch und es sei eine neue Bewertung notwendig, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Details nannte er zunächst nicht.

Das Robert-Koch-Institut führte den Anstieg des Virus-Reproduktionsfaktor “R” in Deutschland auch auf den Corona-Ausbruch bei der Firma Tönnies zurück. Krisenstabsleiter im Kreis Gütersloh Thomas Kuhlbusch hatte gesagt, das Vertrauen zur Firma Tönnies sei auf Null.

Regierung will Werkverträge verbieten

Die Bundesregierung will Werkverträge in Fleischfabriken verbieten. “Mit der gesundheitlichen Gefährdung und der Ausbeutung von Menschen muss Schluss sein”, sagte Heil der “Bild”. Sein Vertrauen in die Tönnies-Konzernleitung sei “gleich Null”. Laut den Regierungsplänen dürfen ab Januar nur noch Mitarbeiter des eigenen Betriebes Tiere schlachten und das Fleisch verarbeiten. Die Branche arbeitet mit zahlreichen Subunternehmen.

Im Fall Tönnies hatte es etwa Tage gedauert, um alle Anschriften der dort beschäftigten Arbeitnehmer zu sammeln. Kritiker machen die in der Fleischindustrie verbreiteten Sammelunterkünfte für Arbeiter, die häufig aus Rumänien, Bulgarien oder Polen kommen, sowie schlechte Hygienestandards für die rasante Ausbreitung des Virus in der Branche verantwortlich.

Der Gewerkschaft NGG zufolge könnten Arbeiter aus dem Tönnies-Schlachthof bereits in ihre Heimatländer gereist sein. “Es ist davon auszugehen, dass einige reisen”, sagte der NGG-Landesvorsitzende Mohamed Boudih Reuters. Zudem hätten auch noch nicht alle Mitarbeiter des Schlachthofs schriftliche Aufforderungen erhalten, in Quarantäne zu gehen. Ein Sprecher des Kreises sagte dazu, es habe mündliche Aufforderungen an die Mitarbeiter gegeben, sich in Quarantäne zu begeben. Zudem hatte der Kreis eine Allgemeinverfügung erlassen, dass alle auf dem Betriebsgelände tätigen Personen und Personen, die in Gemeinschaftsunterkünften wohnen, sich bis zum 02. Juli in häusliche Quarantäne begeben müssen.

(Reuters)


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