Überraschung: USA ziehen Truppen aus Deutschland ab

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US-Präsident Donald Trump hat mit der Ankündigung eines US-Truppenabzugs aus Deutschland offenbar seine eigene Regierung überrascht.

Das US-Verteidigungsministerium hat nach Angaben aus amerikanischen Regierungskreisen noch keinen formellen Auftrag für eine Reduzierung der US-Truppen in Deutschland von Präsident Donald Trump erhalten. Die Entscheidung habe eine Reihe hochrangiger Sicherheitsbeamter im Pentagon und Außenministerium überrumpelt, sagten fünf mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters in Washington. Bereits am Montag hatte es in deutschen Regierungskreisen nach Kontakten zu US-Stellen geheißen, offenbar sei dort niemand von den Plänen informiert worden.

Trump habe beschlossen, 9500 Soldaten aus Deutschland abzuziehen und damit die Truppenstärke auf 25.000 zu reduzieren, hatte ein hochrangiger US-Beamter am Freitag gesagt. Der Beamte betonte, dies sei das Ergebnis monatelanger Arbeit der US-Militärführung und habe nichts mit Spannungen zwischen Trump und Bundeskanzlerin Angela Merkel zu tun, die wegen der Corona-Pandemie zunächst ihre Teilnahme an dem ursprünglich vom US-Präsidenten geplanten G7-Gipfel im Juni in Washington nicht zugesagt hatte.

Mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen erklärten, dass eine Reihe von Mitarbeitern im Weißen Haus, im Außenministerium und im Pentagon von der Entscheidung überrascht gewesen seien. Sie erklärten sich den Vorstoß mit einer möglichen Verärgerung über die G7-Debatte bis zum Einfluss von Richard Grenell, einem Trump-Loyalisten, der bis vor kurzem US-Botschafter in Deutschland war. Es blieb unklar, ob Grenell eine direkte Rolle bei der Entscheidung spielte. Er selbst sagte auf Nachfrage, dass „dies alles Klatsch“ sei. Die Reduzierung der Truppenstärke sei „seit letztem Jahr in Arbeit“.

Bereits früher Spekulationen

Tatsächlich hatte es bereits 2019 Spekulationen über eine Reduzierung der US-Truppen in Deutschland gegeben. Zudem verwies Grenell auf die Enttäuschung Washingtons, dass Deutschland das Nato-Ziel verfehle, zwei Prozent seiner Wirtschaftsleistung für Verteidigung auszugeben. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg wollte zu den US-Überlegungen keine Stellung beziehen.

Die Bundesregierung war von den Plänen nicht informiert worden und hatte sich seit dem ersten Bericht am Freitag vergeblich um eine offizielle Bestätigung und Klärung in Washington bemüht. Peter Beyer, der deutsche Koordinator für transatlantische Beziehungen, sagte Reuters, die Reduzierung der US-Truppen würde „die Säulen der transatlantischen Beziehungen erschüttern.“

Sicherheitsexperten in den USA kritisierten die Pläne als „Geschenk an Russland“. Allerdings wurde auch darauf verwiesen, dass Trump bereits mehrfach Truppenabzüge angekündigt habe, die dann nicht so umgesetzt wurden. Als Beispiel wird der 2018 angekündigte komplette US-Rückzug aus Syrien genannt oder eine Kürzung der Finanzierung für das US-Engagement in Afghanistan.

(Reuters)