Unfassbare Zahlen: So viele Amerikaner beantragen Corona-Hilfe

Unfassbare Zahlen: So viele Amerikaner beantragen Corona-Hilfe
Bild von Vektor Kunst iXimus auf Pixabay

Wegen einer Entlassungswelle im Sog der Virus-Pandemie schnellen die Anträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA auf historische Höchstwerte.

In der vergangenen Woche stellten rund 6,65 Millionen Amerikaner einen entsprechenden Erstantrag auf staatliche Stütze, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Von Reuters befragte Experten hatten lediglich mit 3,5 Millionen Anträgen gerechnet. In der Woche zuvor war bereits mit knapp 3,3 Millionen Gesuchen der bisherige Höchststand von 1982 überboten worden.

“Die Arbeitsmarktlage in den USA ist als katastrophal zu bezeichnen. Es ist im Verlauf mit einer Rekordarbeitslosigkeit in den USA zu rechnen”, prophezeit Ökonom Ralf Umlauf von der Helaba. Wie er befürchten auch viele andere Experten, dass die Arbeitslosenquote von zuletzt 3,5 Prozent im Zuge einer über das gesamte Land rollenden Entlassungswelle rapide in die Höhe schießen wird. Auch führende Währungshüter der Notenbank Fed rechnen mit einem Anstieg auf zweistellige Werte.

Anlagestratege Gennadiy Goldberg von der Investmentbank TD Securities sprach von einem Abschwung in Zeitraffer-Tempo. Wie aus jüngsten Daten des Handelsministeriums hervorgeht, hat die US-Industrie bereits vor der Ausbreitung des Coronavirus eine überraschende Auftragsflaute erlebt. Der Umfang der neuen Bestellungen stagnierte im Februar gegenüber Januar. Zu Jahresbeginn musste die Industrie sogar einen Rückgang um 0,5 Prozent hinnehmen.

“Vollbremsung der Wirtschaft

Die nun im Zuge der Viruskrise einsetzende konjunkturelle Talfahrt sowie die wachsende Antragsflut bei der Arbeitslosenhilfe gehen einher mit immer größere Teile der Bevölkerung betreffenden Ausgangsbeschränkungen. Mittlerweile gelten sie für mehr als 80 Prozent der Amerikaner zwischen Chicago und New Orleans in der einen oder anderen Form. Vor wenigen Wochen waren es nur gut 50 Prozent. US-Präsident Donald Trump hatte die Amerikaner jüngst auf “sehr, sehr schmerzvolle” Wochen und steigende Totenzahlen durch das Coronavirus eingestimmt.

Da das soziale Netz in den USA nicht so dicht geknüpft ist wie vielfach in Europa, hat der amerikanische Staat neben billionenschweren Stützungsmaßnahmen für die Wirtschaft unter anderem 100 Milliarden Dollar für Arbeitslosengeld und Lebensmittelhilfen auf den Weg gebracht.

Massenarbeitslosigkeit erwartet

Die Summen sind angesichts des historischen Ausmaßes der Krise wohl nicht zu hoch gegriffen. “Das hohe Tempo der Entlassungen ist frappierend und stellt alles in den Schatten, was die USA am Arbeitsmarkt jemals erlebt hatten”, sagte Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner. Der USA-Experte erwartet im Verlauf der Krise eine Massenarbeitslosigkeit, wie sie die USA seit der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre nicht mehr erlebt haben.

Die Arbeitslosenanträge zeigten an, dass die US-Wirtschaft in der zweiten Märzhälfte “eine Vollbremsung” hingelegt habe. Der am Freitag anstehende Arbeitsmarktbericht der Regierung werde dies allerdings noch nicht widerspiegeln, da der Stichtag für die Statistik vor “der Explosion der Erstanträge” gelegen habe. Voll durchschlagen würden diese Zahlen erst im nächsten Monat. Von Reuters befragte Experten erwarten, dass im März 100.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft abgebaut wurden

(Reuters)


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