Wird das Bargeld in der EU abgeschafft?

Wird das Bargeld in der EU abgeschafft?
Photo by Jonathan Brinkhorst on Unsplash

Die EU-Kommission überlegt, 1- und 2-Cent-Münzen abzuschaffen. Kritiker warnen, dass dies der erste Schritt zu einem Ende des Bargelds sei.

Die Geldbörse ist dick gefüllt und droht zu zerplatzen – allerdings nicht wegen der dicken Banknoten, sondern wegen der Cent-Münzen. Diese können ganz schön lästig sein. In einigen EU-Ländern wie den Niederlanden und seit kurzem auch Belgien werden sie daher kaum noch verwendet: In Supermärkten und anderen Geschäften muss auf- oder abgerundet werden. Nun denkt aber die EU-Kommission generell über einen Verzicht auf 1- und 2-Cent-Münzen nach.

EU will Rohstoffe sparen

Derzeit sind in der EU laut Schätzungen an die 130 bis 131 Milliarden Cent-Münzen im Umlauf. Das kostet Geld, denn für die Herstellung, Lagerung und Verbreitung der Mini-Münzen ist recht viel Aufwand nötig; außerdem werden große Mengen an Rohstoffen wie Kupfer benötigt. Auch die EU-Bürger sind laut Umfragen nicht gerade Fans der Münzen – in einigen Ländern haben Umfragen bewiesen, dass eine Mehrheit gegen eine Abschaffung ist.

Weg vom Bargeld?

Das Ganze hat allerdings einen Haken: Für viele ist dies ein Versuch, sich langsam vom Bargeld zu befreien. Parteien wie die CSU in Deutschland sind daher laut Medienberichten gegen die Abschaffung, denn das sei der langsame Abschied vom Bargeld. Tatsächlich gibt es immer wieder Anläufe, die Verwendung von Bargeld zu reduzieren – etwa durch das Einführen von Obergrenzen bei Geschäften. Als Gründe werden unter anderem das Verhindern krimineller Machenschaften genannt; in Wirklichkeit stecken aber unter anderem die Banken dahinter – diese sind naturgemäß gegen Bargeld, denn für sie ist es besser, das Geld liegt auf Konten oder Sparbüchern. Doch angesichts der extrem niedrigen Zinsen sind immer mehr Menschen dazu übergegangen, einfach Bargeld zu horten. In Krisenzeiten könnten EU-Bürger überhaupt ihre Konten plündern; das wäre nicht möglich, wenn es kein Bargeld mehr gibt.

Der gläserne Bürger

Und noch etwas steckt dahinter: Wer mit Bargeld bezahlt, bleibt für Wirtschaft und Politik anonym. Hingegen können bei Bezahlung mit Karte oder über Apps am Handy (Apple Pay etc.) leicht Daten gesammelt werden – der “gläserne” Bürger wird Realität. Und auch für Menschen in finanziellen und sozialen Notsituationen ist der Umgang mit Bargeld oft einfacher, als beispielsweise ein Konto zu eröffnen. Daher bleibt abzuwarten, ob die Abschaffung der Cent-Münzen ein erster Schritt zum Bargeld-Aus sein könnte.

Zurück zu den Cent-Münzen: Der Handel ist gegen eine Abschaffung, weil damit der alte Marketing-Trick mit den 99-Cent-Preisen (“heute nur 4,99!”) hinfällig wäre. Konsumentenschützer raten bereits, nach einer Abschaffung der Cent-Münzen genau hinzuschauen, welche Händler unfair aufrunden.


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